Im Juni ist der Garten meist nach den Wünschen der Bewohner fertig eingerichtet und man bereitet sich seelisch schon auf die Hauptsaison im kleinen Paradies vor. Auch mein Blick schweifte unlängst über die verschiedenen Gartenelemente und Lebensräume im Refugium der Familie.

Da wuchert es schon üppig aus dem Hochbeet. Um den Gartenteich schwirren durstige Insekten. Die heimischen Hecken sind noch mal frisch gestutzt. Aus den bunt gemischten Beeten kann man schon süße Walderdbeeren pflücken und die schattenspendenden Obstbäume versprechen Zuflucht für die heißen Sommertage.

Natürlich dürfen auch dekorative Elemente nicht fehlen. Dabei bevorzugen wir allerdings natürliche und witterungsbeständige Materialien, wie Stein, Holz und auch Metall, deren natürliche Verwitterung einen besonderen Charm erzeugt. Einen Gartenzwerg findet man bei uns nicht, lediglich ein Gnom aus Stein. Und da ist auch noch eine neue Spielerei. Aus einer alten Jeanshose habe ich ein kleines Sukkulenten-Stein-Beet gebastelt. Diese ausgestopfte Hose thront auf der alten Gartenbank und täuscht dem Gehirn kurz die Anwesenheit einer weiteren Person vor.

Auch mein Blick bleibt diesmal wieder an der Jeans-Dekoration hängen und ich erinnere mich an eine Geschichte, die ich vor Kurzem in meinem Lieblingspodcast „Geschichten aus der Geschichte“ gehört habe. Dabei ging es um den ausgestorbenen Beruf des Schmuckeremitens und die Theorie, dass daraus vielleicht sogar der Gartenzwerg entstanden ist.  
Wie war das nochmal…?

Wahrscheinlich haben Sie schon von Eremitagen - auch Einsiedeleien genannt - gehört. Die bekannteste in Österreich befindet sich in Saalfelden (Salzburg) und gelangt durch die Suche nach einem Einsiedler öfters mal in die Schlagzeilen. Heute haben diese Eremitagen einen spirituellen und religiösen Charakter. Der Bewohner führt ein entbehrungsreiches und autarkes Leben hoch oben am Berg. Viele einsame Stunden einerseits, aber auch zahlreiche Besucher untertags, die sich manchmal Weisheiten für ihr eigenes Leben mit in den Rucksack packen wollen.

Doch zurück zu der Geschichte, die mir gerade durch den Kopf geht. Denn es gab im 18. und 19. Jahrhundert auch eine andere Art von Eremiten. Damals lösten englische Landschaftsgärten die strenge Form der französischen Barockgärten ab. In diesen englischen Landschaftsgärten sollte natürliche Landschaft abgebildet werden. Wobei man sich nicht an die regionalen Gegebenheiten orientierte, sondern am liebsten alle Elemente der ganzen Welt vereinen wollte. Deshalb gab es kaum etwas was es nicht gab. Von künstlich angelegten Seen, Wäldern, Hügeln bis zu Gebäuden wie Tempel, Ruinen und Grotten. Die Landschaftsgärtner und ihre adeligen Auftraggeber versuchten sich ständig selbst zu überbieten. Sie wollten ihren Gästen immer ausgefallenere Attraktionen bieten.

So kam es auch zur Idee einen sogenannten Schmuckeremiten in den Landschaftsgärten anzusiedeln. Dabei ging es aber nicht um religiöse Aspekte der Entbehrung, sondern entsprang dies dem damals großen Interesse an keltischer Gesellschaft und Mythologie. So sollten diese Eremiten auch wallende Gewänder tragen und weder Bart noch Haare schneiden, um an einen Druiden zu erinnern. Dieser durfte dann in einer spartanischen Hütte, Höhle oder Grotte hausen und sich von den Besuchern beobachten lassen. Allerdings war es ein richtiger Beruf mit Stellenausschreibung, durchaus guter Bezahlung aber auch strengen Regeln.

Angeblich wurden diese Eremiten, aus Mangel an Bewerbern und Geld für die Bezahlung, nach und nach durch Holzfiguren, welche teilweise sogar mechanisch beweglich waren, ersetzt. Dies soll in weiterer Folge zu den Gartenzwergen geführt haben.
Doch da Gartenzwerge weniger Druiden, sondern eher mittelalterlichen Bergleuten nachempfunden sind, ist diese Theorie eher nicht stimmig. Schon zu Zeiten der Römer hat man teils skurrile Skulpturen in den Gärten platziert. Die wahrscheinlichste Theorie zu dem Entstehen der Gartenzwerge stammt aus Anatolien. Dort wurden im 13. Jahrhundert Figuren nach dem Vorbild kleinwüchsiger Bergarbeiter aufgestellt, um sich vor deren scheinbar übernatürlichen Kräften zu schützen.

Doch auch mit diesem neuen Wissen gerüstet wird bei uns eher kein Gartenzwerg einziehen. Auch wenn ich die Hingabe zu den oft kreativen und witzigen Figuren durchaus nachvollziehen kann, wird die gefüllte Hose auf der Gartenbank das skurrilste im Garten bleiben. Da schaffen wir lieber noch neue Lebensräume für Mensch und Tier. 

Wir wünschen einen schönen Start in die Sommersaison und eine erholsame Zeit im Garten.

Quelle

Podcast: "Geschichten aus der Geschichte"

GAG238: Kurze Geschichten ausgestorbener Berufe


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