Das ARCHE NOAH Samenarchiv bewahrt ja nicht nur unser Saatgut, sondern forscht und experimentiert auch mit den unterschiedlichen Herkünften. In den vergangenen Monaten haben wir in einem Vergleichsanbau versucht herauszufinden, ob die klassischen mediterranen Lagerparadeiser auch in unseren Breiten „funktionieren“.
In Apulien, dem Absatz des italienischen „Stiefels“, sind sie weit verbreitet, die „pomodori da penda“. Diese Tomaten verkörpern die landwirtschaftliche und bäuerliche Tradition dieser Landschaft zwischen zwei Meeren. Hier legt man Wert darauf, Lebensmittel in ihrer ganzen Geschmacks- und Duftfülle zu erhalten. Dazu werden spezielle Paradeisersorten (Solanum lycopersicum) in einigen Regionen Italiens, Portugals und Spaniens nach der Ernte aufgehängt und ungekühlt gelagert. Viele Wochen lang – u. U. bis ins nächste Jahr.
Die verschiedenen Sorten benützen dabei im Wesentlichen zwei Strategien, beide Typen sind in Österreich weitgehend unbekannt, jedenfalls aber „unternutzt“.
- Viele Sorten zeigen einen natürlicherweise verzögerten oder gehemmten Reifeprozess. Nach der Ernte reifen die Früchte erst am Lager langsam nach.
- Die Früchte anderer Sorten werden vollreif geerntet und auf unterschiedliche Art und Weise – etwa mehrere Rispen zusammengeknüpft – von der Decke hängen gelassen und über die Wintermonate verspeist. Im ARCHE NOAH Samenarchiv befinden sich mehrere solcher Herkünfte.
Experimentieren
Das ARCHE NOAH Samenarchiv hat sich über den Winter ans Experimentieren gemacht. Im Archiv finden sich Sorten, die als besonders gut lagerfähig beschrieben waren und/oder deren Namen auf eine entsprechende Tradition hinweisen (z. B. 'Pomodoro da Pendere'). Diese wurden durch Sorten aus dem Handel und unserem Erhalter:innen-Netzwerk ergänzt. Um mehr über die Eigenschaften und die tatsächliche Lagereignung ausgewählter Sorten herauszufinden, wurde 2025 ein Vergleichsanbau im Schaugarten in Schiltern (Freiland, nicht überdacht) durchgeführt. Die Früchte wurden Anfang September mit Rispe geerntet und an Schlaufen aufgehängt. Anschließend wurde die Ernte bis Jänner 2026 bei durchschnittlich 17 °C in einem Arbeitsraum gelagert. Faulige oder abgefallene Früchte wurden regelmäßig entfernt und dokumentiert.
Bis Mitte Jänner 2026 hatten von den 17 Sorten im Versuch noch sieben über 60 % intakte Früchte. Zum Teil waren diese jedoch stark schrumpelig und/oder sehr weich und wenig appetitlich. Am schönsten waren die reifeverzögerten Typen aus dem ARCHE NOAH Archiv ('Green Skin Longkeeper', 'Longkeeper Tomato' und 'Willims Lager Orangefrüchtig') sowie die Piennolo-Typen 'Pantelli' (ReinSaat) und 'Klapprots Spitze' (Sortenwerkstatt). 'Willims Lager Orangefrüchtig' hatte mit 96% die meisten intakten Früchte am Ende des Versuchs.
Nummer 1: 'Willims Lager Orangefrüchtig'
Die lange Haltbarkeit wäre nutzlos ohne guten Geschmack. Sechs Sorten wurden darum im Jänner 2026 roh verkostet. Auffällig war die geringe Süße selbst der Piennolo-Typen (im Vergleich zu einer Verkostung im Sommer). Insgesamt am besten bewertet wurde 'Willims Lager Orangefrüchtig' aus dem ARCHE NOAH Archiv, die von vielen Verkoster:innen durchaus als Alternative zu Handelsware zu dieser Jahreszeit gesehen wurde.
Fazit: Lagerparadeiser als interessante Option für frisches Gemüse ohne Kühllagerung
Dieser erste vorsichtige Versuch zeigt, dass mit den richtigen Sorten auch in unseren Breiten im Freiland produzierte Paradeiser mit geringem Aufwand und ohne Kühlung bis ins nächste Jahr gelagert werden können. 'Willims Lager Orangefrüchtig' aus dem ARCHE NOAH Samenarchiv, ursprünglich aus Sizilien und seit 1988 in der Sammlung, wirkt dabei besonders interessant und wird 2026 für die Saatgutvermehrung und einen weiteren Sortenvergleich erneut angebaut. Für die Selbstversorgerin und für den landwirtschaftlichen Betrieb könnten Lagerparadeiser eine interessante Option für frisches Fruchtgemüse ohne Kühllagerung darstellen.
Axel Grunt (ARCHE NOAH)
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