Die Zitronenmelisse zählt sicher zu den unterschätzten Küchenkräutern. Trotz ihres betörenden Duftes nach Zitrone wird sie in der Küche nur selten verwendet. Als Heilpflanze dagegen ist sie schon seit Jahrhunderten beliebt. Sie wirkt aufgrund ihrer beruhigenden Eigenschaften auf das vegetative Nervensystem ausgleichend und hilft bei Einschlafproblemen, Wetterfühligkeit, Stress, aber auch bei nervösen Magen-Darm-Beschwerden. Das ätherische Öl kann im Likör, Tee oder im Vollbad seine Wirkung erzielen. 

Unverwüstlich im Garten

Ein Stock Zitronenmelisse (Melissa officinalis) wächst in fast jedem Kräutergarten. Sie gedeiht problemlos und beschert meist eine reiche Ernte, denn die mehrjährige Pflanze ist sehr anspruchslos. Wer einen Melissenstock im Garten hat, braucht sich um die Vermehrung keine Sorgen machen, sie sämt sich meist selbst aus, sodass in der näheren Umgebung im nächsten Jahr oft junge Pflanzen aufgehen. Eine älterer Stock kann bis zu 1m in die Höhe wachsen und bis zu 30 Jahre alt werden. Das Kraut aus der Familie der Lippenblütler hat kerbig gezahnte Blätter, zwei Blätter stehen sich immer gegenüber und wachsen den Stiel entlang. Erst im Sommer bilden sich die unscheinbaren Blüten neben den Blattstielen, die gerne von Bienen besucht werden. Sowohl Blüten als auch Blätter verströmen einen aromatischen, zitronigen Duft, jedoch sollte das Kraut bevorzugt vor der Blüte geerntet werden, da die Blätter durch die Blüte an Aroma verlieren. Die Blätter können sowohl frisch als auch getrocknet für Tees, zum Aromatisieren von Wasser oder Sirupen und zum Kochen verwendet werden.

Aroma pur

Die Pflanze ist reich an ätherischen Ölen und verschiedenen Säuren wie Rosmarinsäure, Chlorogensäure oder Kaffeesäure. Die wichtigsten Inhaltsstoffe sind jedoch Citral, Citronellal, Linalool und Geraniol, aber auch Vitamin C. Citral ist auch in der Zitrone enthalten und beide Pflanzen ähneln sich daher im Duft. Wie bei vielen anderen Kräutern auch entscheiden bei der Zitronenmelisse ganz besonders der Erntezeitpunkt und das Klima, wieviel an ätherischen Ölen enthalten ist. Je heißer und sonniger, desto aromatischer ist das Kraut.

Stiefkind in der Küche

Obwohl die Blätter nach Zitronen riechen, schmecken sie nicht wie Zitronenschale. Sie schmecken zuerst zwar leicht zitronig, danach, als Verwandte der Pfefferminze, eher würzig. In Gerichten drängt sie sich nicht auf und spielt eher eine dezente Rolle beim Würzen. Beim Zerschneiden der Blätter wird Zitronenmelisse schnell unansehnlich, ähnlich wie beim Basilikum verfärben sich die Blätter grau oder braun. Daher wird das heimische Zitronenkraut erst vor der Verwendung zerkleinert. Beim Kochen verliert es schnell an Aroma, sodass sie am besten – wie gehackte Petersilie – erst am Schluss dem Gericht zum Abschmecken zugefügt wird. Sie passt in die Kräuterbutter, zu mediterranen Gerichten wie Fisch, Gemüse oder Pasta, und man kann daraus auch ein Pesto bereiten, entweder pur oder mit Basilikum gemischt.

Zitronenmelissenlikör

Zutaten für 500ml
  • 500ml Korn oder ein anderer milder Schnaps
  • 2 Händevoll Zitronenmelisse mit Stiel und Blättern
  • 4 bis 5 EL Zucker
Zubereitung

Melisse am späteren Vormittag ernten, Blätter leicht welken lassen und die Melisse samt Stielen und Blüten nur grob zerkleinern.
Melisse in ein verschraubbares Ansatzglas füllen, den Zucker darüber streuen und mit Schnaps auffüllen.
Die Melisse soll gut vom Schnaps bedeckt sein.
Das Glas verschließen und durchschütteln.
Den Ansatz sonnengeschützt drei Wochen ziehen lassen.
Danach den Likör abseihen und in Flaschen füllen.

Tipp: Ein Gläschen Melissenlikör schmeckt aromatisch, aber nicht zitronig. Wer nicht den Fehler macht, Zitronenmelissenlikör als Allheilmittel anzusehen, hat damit aber ein Hausmittel aus der Volksmedizin, das gute Dienste für die Nerven leistet.

Gewürztagetesbutter mit Melisse

Zutaten
  • 100 g Butter
  • 1 Prise Salz
  • 20 Gewürztagetesblüten
  • 2 kleine Zweige Zitronenmelisse, ersatzweise etwas Zitronenverbene
Zubereitung

Tagetesblüten grob hacken und zusammen mit Melissenblätter mit der Butter in einen kleinen Topf geben.
Butter leicht erwärmen und schmelzen lassen.
Salz dazugeben und verrühren.
Die Butter im Topf zugedeckt über Nacht ziehen lassen.
Butter leicht erwärmen und in eine Form gießen.
Zuvor die Butter durch ein Haarsieb streichen, um die Blütenreste und Melissenblätter zu entfernen.
Butter in den Kühlschrank zum Festwerden geben.


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