Der Naturschutzbund Österreich hat den Kirschlorbeer im Jahr 2026 zum „Neophyten des Jahres“ gewählt und damit eine weit verbreitete Gartenpflanze in den Fokus gerückt. Diese Auszeichnung soll darauf aufmerksam machen, dass nicht jede beliebte Zierpflanze auch ökologisch unbedenklich ist. Gerade im Kleingarten, wo oft Hecken als Sichtschutz gepflanzt werden, spielt der Kirschlorbeer eine große Rolle.
Die Wahl zeigt deutlich, dass sein Einfluss auf die heimische Natur zunehmend kritisch gesehen wird. Ziel ist es, Bewusstsein zu schaffen und langfristig ein Umdenken in der Gartengestaltung anzustoßen.
Immergrün aus Südosteuropa und Kleinasien
Der Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus) ist ein immergrüner Strauch aus der Familie der Rosengewächse und stammt ursprünglich aus Südosteuropa sowie Kleinasien. Trotz seines Namens ist er nicht mit dem Echten Lorbeer verwandt, sondern näher mit der Kirsche. Charakteristisch sind seine großen, glänzenden Blätter, die weißen, duftenden Blütenstände im Frühjahr und die schwarzen, kirschähnlichen Früchte.
Bereits im 16. Jahrhundert wurde er als Zierpflanze nach Europa eingeführt und hat sich seither in vielen Gärten etabliert. In Österreich ist er mittlerweile weit verbreitet und wird häufig als schnell wachsende, pflegeleichte Heckenpflanze verwendet.
Beliebt aber problematisch
Für die heimische Natur stellt der Kirschlorbeer jedoch ein ernstzunehmendes Problem dar. Durch seine hohe Anpassungsfähigkeit, seine Widerstandskraft und sein schnelles Wachstum kann er sich leicht ausbreiten und heimische Pflanzen verdrängen. Seine Samen werden durch Tiere und Wasser verbreitet, zusätzlich kann er sich auch vegetativ vermehren.
In vielen Regionen Österreichs ist er bereits verwildert und dringt in Wälder sowie an Wiesenränder vor. Dort bildet er dichte Bestände, die anderen Pflanzen Licht, Raum und Nährstoffe entziehen, wodurch die Artenvielfalt deutlich reduziert wird.
Mehr Schaden als Nutzen
Auch für Menschen und Tiere birgt der Kirschlorbeer Risiken. Alle Pflanzenteile sind giftig und enthalten Blausäureverbindungen, die insbesondere für Kleinkinder und Haustiere gefährlich sein können. Die dekorativen Früchte können leicht mit essbaren Kirschen verwechselt werden, was das Risiko zusätzlich erhöht.
Für die Tierwelt ist die Pflanze zudem wenig nützlich, da ihre Blüten nur eingeschränkt von Bestäubern genutzt werden und die Früchte nur wenigen Vogelarten als Nahrung dienen. Selbst bei der Entsorgung kann es problematisch werden, da sich das Laub nur langsam zersetzt und bei unsachgemäßer Kompostierung schädlich wirken kann.
Heimische Alternativen für einen naturnahen Garten
Während in der Schweiz der Verkauf des Kirschlorbeers bereits seit September 2024 verboten ist, wird er in Österreich weiterhin frei verkauft und teilweise sogar als „bienenfreundlich“ beworben.
Daher richtet sich ein klarer Appell an alle Kleingärtnerinnen und Kleingärtner in Österreich, verstärkt auf heimische Alternativen zu setzen. Sträucher wie Liguster, Hainbuche oder Kornelkirsche bieten nicht nur einen guten Sichtschutz, sondern leisten auch einen wertvollen Beitrag zur Biodiversität.
Wer bestehende Kirschlorbeer-Hecken schrittweise ersetzt, kann aktiv zum Schutz der heimischen Natur beitragen. Gleichzeitig entsteht ein lebendiger Garten, der Insekten, Vögeln und anderen Tieren Nahrung und Lebensraum bietet. Ein bewusster Umgang mit Pflanzenwahl im Kleingarten ist somit ein wichtiger Schritt in Richtung nachhaltiger und naturnaher Gartengestaltung.
Quellenangabe: Presseaussendung Naturschutzbund Österreich